Satteltyp oder Durchgangstyp: welcher Typ passt zu Ihrer Anwendung?
Es gibt zwei Haupttypen von Membranventilen, jeweils mit eigenem Einsatzbereich:
- Satteltyp (Weir-Typ): die Membran dichtet über einen erhöhten Sattel im Gehäuse ab. Dies ist der am häufigsten eingesetzte Typ in Prozessanwendungen. Er bietet eine zuverlässige Abdichtung und eine lange Membranlebensdauer durch den begrenzten Hub.
- Durchgangstyp (Full Bore): die Membran dichtet über einen flachen Sitz ab. Dieser Typ bietet einen vollständig ungehinderten Durchfluss und wird häufiger bei Schlämmen oder Medien mit Feststoffanteilen eingesetzt, da die Verstopfungsgefahr geringer ist. Der Durchgangstyp ist auch als Prozessventil erhältlich.
Wählen Sie den Satteltyp für saubere oder leicht verschmutzte Medien in Prozessanwendungen. Wählen Sie den Durchgangstyp bei Medien mit Feststoffanteilen oder wenn ein ungehinderter Durchfluss erforderlich ist.
2/2-Wege-, 3/2-Wege- und Blockventile
Membranventile sind standardmäßig als 2/2-Wege-Ausführung lieferbar: ein Eingang, ein Ausgang, vollständig offen oder geschlossen. Darüber hinaus gibt es:
- 3/2-Wege-Membranventile (T-Ventile): geeignet zum Umleiten von Strömen oder als Dreiwegeventil in Prozessanlagen.
- Blockventile: Ausführungen mit mehr als drei Anschlüssen, bei denen mehrere Funktionen in einem Gehäuse zusammengefasst sind. Hierfür sind spezielle Doppelantriebe verfügbar.
Dieser Typ wird auf Anfrage gemäß Ihrem Prozessschema konfiguriert.
Material des Ventilgehäuses
Das Material des Ventilgehäuses wählen Sie anhand des Mediums, der Temperatur und der chemischen Belastung. Verfügbare Materialien sind:
- Edelstahl — korrosionsbeständig, geeignet für Lebensmittel- und Pharmaindustrie
- Stahl — für industrielle Prozessanwendungen bei höheren Drücken
- PVC-U — leicht, chemisch beständig, für Wasseraufbereitung und milde Chemikalien
- PVC-C — höhere Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit als PVC-U
- PP-H — geeignet für aggressive Medien einschließlich Säuren und Laugen
- PVDF — hohe chemische und thermische Beständigkeit, auch für Reinstraumanwendungen geeignet
Die Membran selbst ist in Materialien wie EPDM, PTFE und NBR erhältlich, abhängig vom Medium und der erforderlichen Hygieneklasse.
Betätigung: manuell, pneumatisch oder elektrisch
Membranventile sind mit manueller, pneumatischer oder elektrischer Betätigung lieferbar:
- Manuelle Betätigung: geeignet für Ventile, die gelegentlich betätigt werden oder sich an Standorten ohne Energieanschluss befinden.
- Pneumatische Betätigung: für automatisierte Prozesssteuerung, schnelles Schalten oder Fernbedienung. Lieferbar mit einfacher oder doppelter Wirkung (Spring-Return oder Double-Acting). Kombination mit einem Magnetventil und optional einer Rückmeldung über einen Endschalter oder Stellungsregler möglich.
- Elektrische Betätigung: geeignet für Standorte ohne Druckluftversorgung, an denen dennoch eine Automatisierung erforderlich ist. Elektrisch betätigte Ausführungen sind u. a. von Georg Fischer und Bürkert lieferbar und eignen sich zur Integration in Gebäudemanagementsysteme oder Prozesssteuerungen über digitale Signale.
Anwendung nach Branche
Membranventile werden in Branchen eingesetzt, in denen Hygiene, Chemikalienbeständigkeit oder einfache Wartung im Vordergrund stehen:
- Pharma- und Biotechnologieindustrie: hygienische Ausführungen in Edelstahl oder PVDF, beständig gegen Dampfsterilisation (SIP) und Reinigung am Ort (CIP)
- Lebensmittel- und Getränkeindustrie: einfach zu reinigen, keine Toträume bei korrekt montierten Ausführungen
- Wasseraufbereitung und Chemieindustrie: Kunststoffausführungen in PVC-U, PP-H oder PVDF für aggressive Medien
- Industrielle Prozesse: metallische Ausführungen für höhere Drücke und Temperaturen
Hygienisches Membranventil: Einbaulage beachten
Bei der Montage eines hygienischen Membranventils ist die Einbaulage entscheidend für Hygiene und Funktionalität. Montieren Sie das Ventil stets so, dass es selbsttätig entleert. Eine falsche Montage führt zu Flüssigkeitsansammlungen im Ventilgehäuse, was die Reinigbarkeit beeinträchtigt und Bakterienwachstum begünstigen kann. Dies gilt insbesondere für Anwendungen in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie.
Membranventil oder Schlauchquetschventil: was wählen Sie?
In manchen Anwendungen ist ein Schlauchquetschventil eine bessere Alternative zum Membranventil. Nutzen Sie die folgende Auswahlhilfe:
| Situation |
Membranventil |
Schlauchquetschventil |
| Hygienische Anwendung (Pharma/Food) |
+ |
- |
| Stark abrasive Medien |
- |
+ |
| Hoher Druck (>10 bar) |
- begrenzt |
- |
| Chemisch aggressive Medien |
+ (PVDF/PP) |
+ |
| Kompakte Installation |
+ |
+ |
| Medien mit Feststoffanteilen |
+ (Durchgangstyp) |
+ |
Unsicher bei der Auswahl? AKO-Schlauchquetschventile sind in bestimmten Fällen eine direkt einsetzbare Alternative.
Membranventil-Marken bei Ebora
Ebora liefert Membranventile von ausgewählten Herstellern für prozesstechnische und hygienische Anwendungen:
- FIP — Membranventile aus Kunststoff in PVC-U, PVC-C, PP-H und PVDF
- Georg Fischer — umfangreiches Programm für Industrie, Wasseraufbereitung und chemische Prozesse, einschließlich elektrisch betätigter Ausführungen
- KDV Flow — Alternative zu Saunders-Ausführungen, nahezu immer 1-zu-1 austauschbar einschließlich der Innenteile
- Bürkert — automatisierte Membranventile mit pneumatischem und elektrischem Antrieb sowie Prozessregelung
Wählen Sie das passende Membranventil nach Medium, Druck, Temperatur und Hygieneanforderung – oder fordern Sie direkt ein Angebot bei Ebora an.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Membranventil und einem Diaphragmaventil?
Beide Begriffe beschreiben dasselbe Produkt. "Membranventil" ist der in der deutschen Prozessindustrie gebräuchliche Fachbegriff und wird in technischen Spezifikationen und Datenblättern verwendet. Bei Bestellungen oder Angebotsvergleichen können beide Begriffe verwendet werden.
Wann wähle ich ein pneumatisches Membranventil anstelle eines manuellen?
Eine pneumatische Ausführung wählen Sie, wenn das Ventil fernbedient werden muss, Teil eines automatisierten Prozesssystems ist oder häufig geschaltet wird. Bei gelegentlicher Betätigung und einfachen Installationen ohne Druckluftanschluss reicht eine manuelle Ausführung aus.
Sind Membranventile für hohe Drücke geeignet?
Membranventile sind im Allgemeinen bis ca. 10 bar einsetzbar, abhängig von Material, Nennweite und Medium. Für höhere Drücke oder extreme Temperaturen sind andere Ventiltypen wie Kugelhähne oder Absperrklappen besser geeignet. Entnehmen Sie die genauen Grenzwerte den Produktspezifikationen oder kontaktieren Sie Ebora für eine individuelle Auswahlberatung.